Wohnheim mit zusätzlichem Förder- und Arbeitsangebot

Zu uns gehören


Ambulant betreutes Wohnen

Das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnen richtet sich an Menschen mit Behinderung, die im Rahmen einer eigenständigen und selbstbestimmten Lebensführung Verantwortung für ihre eigenen Belange übernehmen möchten. Dies umfasst die Betreuung von Singles, Paaren und Wohngemeinschaften. Die ambulant betreuten Personen sind hierbei in der Regel eigenständige Mieter einer Wohnung, deren Bewirtschaftung sie selbst vornehmen. Die betreuten Menschen verfügen daher bereits über ein hohes Maß an lebenspraktischen Fähigkeiten und sind entsprechend unabhängig von umfassender Begleitung.

Das Leistungsangebot des Ambulant Betreuten Wohnens beinhaltet eine verlässliche und flexible Betreuung sowie individuelle Unterstützung, Beratung und Anleitung in verschiedenen Bereichen. Schwerpunkte bestehen hierbei in der Organisation des Haushalts, bei der Gesundheitsvorsorge und der Begleitung von Arztbesuchen sowie in der Krisen- und Konfliktberatung. Zudem steht insbesondere eine angemessene Einbindung in das gesellschaftliche Umfeld im Vordergrund, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Vorbeugens von Vereinsamung.


Die Hilfen orientieren sich an den Kompetenzen des Menschen mit Behinderung und berücksichtigen seine Biographie und Lebenserfahrung. Hierfür wird in Zusammenarbeit mit der ambulant betreuten Person und dem zuständigen Kostenträger eine Vereinbarung über den notwendigen Stundenumfang der wöchentlichen Betreuung getroffen.

Entsprechend des jeweiligen Bedarfs wird am Morgen oder am Nachmittag im Rahmen von Besuchen in der jeweiligen Wohnung Unterstützung geleistet. Aber auch feste Terminabsprachen und Treffen außer Haus sind möglich und gewünscht. Das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens für Menschen mit geistiger Behinderung richtet sich hierbei am Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ aus. Es soll die organisierte Selbsthilfe von Menschen mit geistiger Behinderung sowie Aktivitäten von Angehörigen und dem gesetzlichen Betreuer anregen und unterstützen.

Das Leben alleine regeln

Neues Projekt der Stiftung Waldheim: Ambulante Wohntrainingsgruppe eröffnet


Es gibt Themen, die sind in jeder Wohngemeinschaft (WTG) gleich: Am Putztag, Mittwochs, wären ein paar mehr helfende Hände gut, findet Kathrin und ihr Mitbewohner Andree nickt. "Da würden wir mehr schaffen". Trotzdem ist bei den beiden eine ganze Menge anders als in anderen WGs. Das beginnt bei dem Kürzel: Andree und Kathrin wohnen nicht einer WG, sondern in einer WTG, einer ambulanten Wohntrainingsgruppe - das neueste Projekt der Stiftung Waldheim.

"Wir wollen Menschen mit leichten mentalen Beeinträchtigungen an ein Leben in einer eigenen Wohnung, möglichst unabhängig von Betreuung, heranführen", erklärt Inge Behrmann das Ziel der WTG. Die Sozialpädagogin ist bei der Stiftung Waldheim Leiterin des Fachbereichs Wohnen.

Dabei gehe es vor allem darum, den behinderten Menschen Basisfähigkeiten für ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu vermitteln - von der Haushaltsführung und dem Erkennen administrativer Zusammenhänge über Hygiene und Gesundheit bis zu sozialen Kompetenzen und Freizeitgestaltung. Das Projekt richtet sich an volljährige Frauen und Männer, die zwar leichte mentale Beeinträchtigungen haben, aber die für die klassische Heimunterbringung zu selbstständig sind. Angedacht ist, dass sie etwa zwei bis drei Jahre in der ambulanten Wohntraingsgruppe bleiben, um dann den Wechsel in die eigenen vier Wände wagen zu können.

Bis dahin wird eine Vielzahl von Dingen aus dem täglichen Leben geübt. "Eine Einkaufsliste erstellen", gibt Michael Etzel, der die WTG zusammen mit Antje Wahlers betreut, ein Beispiel. "Oder, wie man ein Girokonto führt und mit einem Geldautomaten umgeht." Wichtig seien dabei vor allem zwei Dinge, betont Etzel. Zum einen, den individuellen Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden. "Der eine kommt mit dem Geld nicht klar. Das bereitet dem anderen überhaupt keine Schwierigkeiten. Dafür ist der dann aber völlig überfordert, wenn er im Supermarkt etwas nicht findet und jemanden ansprechen soll." Zum anderen gehe es darum, den Bewohnern nicht immer alles vorzubeten. "Sie sollen ja gerade Erfahrungen machen und ihr Leben so weit wie möglich alleine regeln."

In der Praxis bedeutet dies, dass Etzel und seine Kollegin nachmittags vorbeischauen, wenn Andree und Kathrin von der Arbeit kommen. Beide arbeiten in Bierden in den Werkstätten der Stiftung. "Wir besprechen dann kurz, wie es bei der Arbeit gelaufen ist, ob es generell irgendwelche Probleme gibt und wie der weitere Tag aussieht."

Dazu gehört ausdrücklich auch die Freizeitgestaltung. "Wir möchten die Behinderten dazu bringen, dass sie Angebote wie Sportvereine oder Veranstaltungen nutzen", sagt Inge Behrmann. Dafür müssten in der Regel aber erst Schwellenängste abgebaut werden. "Sie merken natürlich, dass sie wegen ihrer Einschränkungen nicht so am Leben teilnehmen wie andere. Deshalb ist das Selbstwertgefühl meist nicht so ausgeprägt." Was schnell zur völligen Vereinsamung führen könne, ergänzt Michael Etzel. "Deshalb bemühen wir uns auch hier, ein Stück Normalität zu schaffen und Kontakte herzustellen."

Die ambulante Wohntrainingsgruppe in der Obernstraße gibt es seit dem 1. Juli. Andree und Kathrin haben sich inzwischen gut eingelebt. Jeder hat ein eigenes Zimmer, Küche und Wohnzimmer teilen sie sich. Schön groß sei die Wohnung, freut sich Andree. "Aber ein bischen zu langweilig", findet Kathrin. "Zu wenig Action." Was auch daran liegt, dass bislang nur zwei der vier Zimmer belegt sind. Andererseits habe das auch sein Gutes. Da es zwei Badezimmer gibt, hat momentan jeder sein eigenes. "Da müssen wir uns morgens nicht drum kloppen."

Auch dass das Zusammenleben klappt, gehört zum Wohntraining. Eine gemeinsam erstellte Hausordnung klärt grundlegende Dinge, wie die Wahrung der Intimsphäre des anderen und gegenseite Rücksichtnahme. Aufgaben, wie Gemeinschaftsräume putzen oder den Mülleimer rausbringen wurden verteilt, und einmal in der Woche gibt es eine Hausbesprechung, bei der alle Themen auf den Tisch kommen.

Abends verabschieden sich die Betreuer. Sie oder jemand anderes von der Stiftung Waldheim sind zwar über Handy erreichbar, aber vom Grundsatz her ist eine nächtliche Betreuung nicht vorgesehen. "Wir bieten nur soviel Betreuung an, wie unbedingt notwendig ist", sagt Inge Behrmann. Aufstehen, Frühstück und den Weg zur Arbeit regeln Andree und Kathrin vollkommen selbstständig. Wie sie nach Bierden kommen? "Mit dem Fahrrad", erklärt Kathrin. Und fügt nicht ohne Stolz hinzu: "Und zwar bei Wind und Wetter".

Die ambulante Wohntraingsgruppe in Achim verfügt noch über freie Plätze. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 0 42 35 / 8 91 32 an Inge Behrmann wenden.

 © Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verdener Nachrichten Datum: 21.08.2009