Ambulant betreutes Wohnen
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Das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnen richtet sich an Menschen mit Behinderung, die im Rahmen einer eigenständigen und selbstbestimmten Lebensführung Verantwortung für ihre eigenen Belange übernehmen möchten. Dies umfasst die Betreuung von Singles, Paaren und Wohngemeinschaften. Die ambulant betreuten Personen sind hierbei in der Regel eigenständige Mieter einer Wohnung, deren Bewirtschaftung sie selbst vornehmen. Die betreuten Menschen verfügen daher bereits über ein hohes Maß an lebenspraktischen Fähigkeiten und sind entsprechend unabhängig von umfassender Begleitung.
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Vieles klappt schon ohne Betreuung
Halbzeitbilanz in der Wohntrainingsgruppe der Stiftung Waldheim: Eine Riesenchance, die alle nutzen wollen
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Natürlich gibt es wie in jeder WG auch mal Zoff, aber insgesamt haben sich Adriane, Andree, Stefan, Patrick und Kathrin (von links) in ihrer Wohntrainingsgruppe prima eingelebt. VON RAFL MICHEL Achim. Okay, morgens rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, ist manchmal ganz schön hart, räumt Patrick ein. Ansonsten aber klappe das Leben ohne Eltern prima: Einkaufen, Wäsche waschen, die Wohnung sauber halten...kein Problem. Seine vier Mitbewohner nicken. "Funktioniert eigentlich alles recht gut", sagt Adriane, und Kathrin findet, dass sie sich gut entwickelt hat in dem einen Jahr. Ein Satz, der für die gesamte ambulante Wohntrainingsgruppe der Stiftung Waldheim in Achim Gültigkeit hat. Vor gut einem Jahr startete die Wohngemeinschaft in der Obernstraße. Andree und Kathrin machten den Anfang, kurz darauf kamen Stefan, Patrick und Ariane dazu. Fünf Menschen mit leichten mentalen Beeinträchtigungen, die lernen sollen, ihr Leben möglichst selbstständig zu meistern. Jeder hat ein eigenes Zimmer, Küche und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Wie sich das für eine ordentliche WG gehört, ist die Küche Mittelpunkt des sozialen Lebens. "Keiner ist mehr das Nesthäkchen, auf das jeder Rücksicht nimmt." Antje Wahler, Stiftung Waldheim Aber auch die Raucherecke ist eine beliebte Anlaufstelle für alle. Nur drei von ihnen nutzen sie aktiv, aber die anderen beiden gesellen sich gerne dazu. "Da hat man immer jemanden zum Quatschen." Trotzdem sei es von Vorteil, dass die Wohnung insgesamt sehr groß ausfällt. "So kann man sich auch gut aus dem Weg gehen", erzählt Antje Wahlers, die die Gruppe gemeinsam mit Michael Etzel betreut. Dies sei vor allem in den ersten Monaten des Wohnprojektes wichtig gewesen, erinnert sich die Sozialpädagogin. Denn da habe es durchaus auch mal massive Probleme gegeben. "Allgemeine Findungsschwierigkeiten", erklärt Inge Behrmann, Leiterin des Fachbereichs Wohnen bei der Stiftung Waldheim. "Da gab es plötzlich Freiräume, die sie gestalten mussten. Daraus entstehen Konflikte. Eigentlich ganz normal. Wie in jeder anderen WG auch." Hinzu käme, dass vorher zu Hause bei ihren Eltern alle "ein Stück weit überbehütet, um nicht zu sagen: verwöhnt wurden", ergänzt Antje Wahlers. "Jetzt standen sie nicht mehr im Mittelpunkt. Waren nicht mehr die Nesthäkchen, auf die jeder Rücksicht nimmt, sondern mussten sich mit anderen arrangieren." Druck mit durchaus positiven Folgen: "Alle fünf haben sich prächtig entwickelt", urteilt Wahlers nach etwa der Hälfte der für die Trainingsgruppe veranschlagten Zeit. Antje Wahlers und ihr Kollege Michael Etzel besuchen die Wohntrainingsgruppe nachmittags, wenn die fünf von der Arbeit kommen (drei sind in den Waldheim Werkstätten in Bierden beschäftigt, einer im Garten in Cluvenhagen, Stefan arbeitet als Bedienung im Café im Clüverhaus). Dann werden alle Dinge besprochen, die gerade anliegen, bei der Arbeit, in der WG oder auch Persönliches. Dann werden gemeinsame Aktivitäten geplant, oder es wird zusammen gekocht. Auf die Hilfe ihrer Betreuer können sich die fünf WG-Bewohner verlassen. Aber auch darauf, dass diese um 22 Uhr definitiv verschwunden sind. Eine Regel, mit der nicht jeder sofort zurechtgekommen sei, berichtet Wahlers. Doch auch dies habe sich länst eingespielt. Mehr noch: "Wenn es Probleme gab, wurden anfangs eher wir gerufen. Inzwischen helfen sie sich oft auch gegenseitig." Andere Erfolge seien ganz individuell zu verzeichnen: Der eine sei erwachsen geworden, habe sein kindliches Verhalten abgelegt und gelernt, Verantwortung zu übernehmen, für den anderen sei es schon ein Erfolg, dass die Krisen nicht mehr so häufig auftreten und wenn, dann deutlich kürzer ausfallen als früher. Allen gemein sei die große Motivation, sich weiterzuentwickeln. "Alle haben begriffen, dass dies eine Riesenchance in ihrem Leben ist. Und die wollen sie nutzen." Auf zwei Jahre ist das Konzept der Wohntrainingsgruppe ausgelegt. Erklärtes Ziel ist es, dass danach ein Wechsel in die eigenen vier Wände erfolgt. Nach Möglichkeit nur noch mit punktueller Betreuung. Dafür muss nach den zwei Jahren der Entwicklungsstand jedes einzelnen WG-Bewohners beurteilt werden. Entscheidend sei jedoch auch, "dass sie sich diesen Schritt selbst zutrauen", betont Antje Wahlers. Wozu in der Trainingsgruppe Erfolge, ausdrücklich aber auch Misserfolge beitragen, erläutert Inge Behrmann. "Unsere Klienten eifern nicht mehr anderen in ihrer Familie nach, sondern lernen, sich in ihren Möglichkeiten zu akzeptieren." Die sei eine entscheidende Zutat, um "eine realistische Perspektive für den weiteren Lebensweg zu entwickeln". Weshalb Antje Wahlers als einen der größten Erfolge der Trainingsgruppe betrachtet, dass sei bei den ersten Bewohnern ganz allmählich der Gedanke an einen Auszug zu reifen beginnt. Völlig zu Recht, findet die Sozialpädagogin: "Bei allen fünf ist es durchaus realistisch, dass sie am Ende ausziehen können." © Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Achimer Kurier Datum: 21.09.2010
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