Achimer Kurier:
Viel Platz zum Toben und Entspannen
Neuer Anbau für jugendliche Waldheim-Bewohner
Von unserer Mitarbeiterin
Anne Koschade
CLUVENHAGEN. Kaum ist das neue Wohn- und Esszimmer in der Wohngemeinschaft 24 der Stiftung Waldheim in Cluvenhagen eingeweiht, haben Franziska, Sarah, Mareike, Marco, René, Özgir und die beiden Bernds ihren neuen Gemeinschaftsraum schon erobert und schnell in Besitz genommen. Den Besuch an der Hand zeigt Sarah stolz die hellen 53 Quadratmeter, in denen ein Sofa, ein paar riesige Kuscheltiere und eine kreisrunde Liegewiese die Gemütlichkeit schon auf den ersten Blick erahnen lassen.
Kuscheln, Spielen, Toben, Musik hören oder einfach nur Entspannen ist hier angesagt. Zwischen Küche und Garten ist jeder Bewohner im neuen Wohnzimmer mittendrin im quirligen Leben der Wohngemeinschaft.
Auch wenn die Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen geistigen Behinderungen nur in den seltensten Fällen aussprechen können, was ihnen gefällt, so ist es umso mehr an ihrem Verhalten und dem Leuchten in den Augen spürbar, wie sehr sie den zusätzlichen Raum zum Wohnen genießen.
"Und es ist endlich genügend Platz vorhanden, auf die unterschiedlichen Behinderungen der Jugendlichen richtig einzugehen", sagt auch Fachbereichsleiterin Inge Behrmann, "vor allem beim Essen in der Gemeinschaft hat es zuvor einige Engpässe gegeben." Mit dem Anbau sind rund 30 Quadratmeter Wohnfläche für die WG hinzugekommen. Mehr Platz für neuen Komfort, Lebensgefühl und Betreuung.
Während Sarah den Besuch durch den Anbau führt, räkelt sich Franziska unter ihrer Decke auf der runden Kuschelecke. Neugierig hebt sie den zerzausten Kopf, nicht ohne sich sofort wieder demonstrativ umzudrehen und die Decke über die Ohren zu ziehen - schließlich genießt sie gerade die ersten ruhigen Stunden nach dem anstrengenden Schulvormittag. Ungern lässt sie sich stören, ist es doch in dem Augenblick viel zu gemütlich. "Viele nutzen die verschiedenen Möglichkeiten im Aufenthaltsraum auch als Rückzugsmöglichkeit, bei der sie trotzdem alles mitbekommen, was in der Wohngemeinschaft passiert", erklärt Wohnbereichsleiter Mirco Malke. Er spricht dabei aus Erfahrung, denn in der Nachbar-WG, in der die jüngeren Kinder wohnen, gibt es einen vergleichbaren Anbau, "vor allem ein Hochbett wie nebenan fordern die Jugendlichen für ihr Zimmer nun auch." Das ist perfekt zum Spielen und als Rückzugsmöglichkeit.
Die Handwerker sind fertig, das große Grillfest mit allen Verwandten und Freunden zur Einweihung ist gerade erst ein paar Wochen vorbei und die Erinnerungen noch allzu präsent. Doch jetzt sind die Jugendlichen gefragt. Denn nun muss der noch etwas kahl wirkende Raum mit Leben gefüllt werden. "Das heißt, dass in den kommenden Wochen einige Ausflüge zu größeren Einrichtungshäusern anstehen", so Malke.
Und auch bei der Auswahl der Gardinen, der Vorhänge für das Hochbett oder des Musters der Kissenbezüge werden die Jugendlichen Wünsche äußern und mitsprechen können. "Schließlich sollen sich die Jugendlichen in ihrer Wohngemeinschaft wohl fühlen." Dazu gehört natürlich auch das Installieren einer Musikanlage, eines Fernsehers und einer Playstation. "Dinge eben, die Jugendliche gerne machen", sagt Malke und stellt sogar noch einen Kicker-Tisch in Aussicht.
So sehr sich die Jugendlichen heute über ihren neuen Anbau freuen, so begeistert und aufmerksam haben sie aber auch die Bauarbeiten in den vergangenen Monaten beobachtet und verfolgt. "Gerade wenn es etwas laut wurde, haben sie vom Fenster aus das Geschehen auf der anderen Seite der Fensterbank beäugt, gegen das Fenster geklopft und den Bauarbeitern gewunken", erinnert sich Malke. Schließlich hat man nicht alle Tage eine private Baustelle mit Einblick aus der eigenen Küche im Garten.
Für die Jugendlichen war und ist der Neubau ein Erlebnis, von dem sie noch lange zehren können. "Denn die neuen 53 Quadratmeter laden auch in den kommenden Jahren zum Spielen, Kuscheln, Schlafen oder gemeinsamen Gruppenerlebnissen ein."
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Achimer Kurier Seite: 3 Datum: 20.09.2005